Tiergesundheit


Stand der Impfstoffversorgung RHDV-1 bzw. RHDV-2 - Mai 2017

... diesen finden Sie hier: (PDF-Download)


Die Kunstharzbrücke - hier bei einem Farbenzwerg

"Der Sprung vom Arm eines Kindes ist die häufigste Ursache für Knochenbrüche beim Kaninchen." - so sagte es uns dann unser Tierarzt.
So geschehen mit unserer dreijährigen Farbenzwerghäsin weißgrannen-havannafarbig, die unserem Kind, das vorm offenen Stall stand, vom Arm in den Stall zurückspringen wollte - der Sprung aber über diese Distanz nicht reichte, so daß sie auf den Boden klatschte. Das linke Hinterbein hatte danach einen offenen Bruch - wie sich hinterher herausstellte war das Schienbein gesplittert und das Wadenbein gespalten.
"Da hilft eigentlich nur notschlachten!", höre ich den alten erfahrenen Züchter. Aber was machst Du, wenn das am Silvestertag kurz vor Mittag geschieht? Das Kind sich ob seines Fehlers gar nicht mehr einkriegt, und es die 97,5-Punkte-Lieblingshäsin Deiner Ehefrau ist? Toller Silvestertag - und frohes neues Jahr !!!
Also versuchst Du das unmögliche und rufst beim diensthabenden Nottierarzt an. Der hatte aber erst ab Nachmittag Dienst. Was bis dahin? Eine verzweifelte WhatsUp-Nachricht an die Frau unseres "Vereinstierarztes", der keinen Notdienst hatte, führte dann kurze Zeit später zum Klingeln unseres Telefons und nach dem Abheben (die angezeigte Nummer kannte ich nicht) zu den Worten: "Und das ist übrigens meine Handynummer - was ist denn los?" Hatte sich unser Tierarzt auf meine Nachricht freiwilig bei uns gemeldet. Meine Frau war die ganze Zeit mit ihrer Häsin auf dem Arm die Küche auf und ab gegangen. Fünf Minuten später waren wir in der Tierarztpraxis, wo der Bruch erstmal begutachtet und notversorgt wurde. Tolle Reaktion und Respekt vor dieser Leistung sozusagen am Feiertag.
Der angelegte Verband hielt aber nie länger als höchstens zwei Tage, sondern rutschte wie ein Stiefel vom Kaninchenbein ab. Die Häsin war in der Zwischenzeit aus ihrem Außenstall aus- und in einen Wohnungskäfig auf unseren Wintergarten umgezogen. Schmerzen hatte sie sicher, aber sie ließ keinen Laut hören - wie üblich bei Kaninchen. Trotzdem mußte eine andere Lösung her - der Bruch ließ sich laut Tierarzt heilen - mit dem Verband aber wäre das nicht zu schaffen. Das eine Heilung überhaupt möglich sei bei so einem Bruchszenario, zeigt wie robust und vital Kaninchen in ihrer Gesundung doch sein können.
Es wurde zweimal operiert - die erste OP ging schief - und dann hatte das Tier etwas am Bein, was es früher vor Implantat-Zeiten auch in der Humanmedizin gab: eine Kunstharzbrücke.

     
     

Das sind zwei Drähte, die ober- und unterhalb des Bruches durch den Knochen gebohrt werden, dann U-förmig nach oben bzw. unten umgebogen und mit Kunstharz versteift werden. Das mit einem Nagel im Inneren längs Schien- und Wadenbein geschiente Bein hat so Halt, der Knochen kann heilen und man braucht vor allem keinen Verband. Wenn keine Infektion des Knochens und des Gewebes eintritt, hat der Patient - hier die Häsin - gute Chancen, nach einem Vierteljahr wieder gesunde Knochen zu haben. Regelmäßige Nachkontrolle und Röntgen sind da logischerweise erforderlich. Bleibt die Hoffnung, das zum Schluß alles zu einem guten Ende kommt. Ich wollte die Story und die Bilder hier nur anbringen, da bestimmt noch nicht viele Züchter so eine Lösung gesehen haben.
Mittlerweile wurde der Nagel entfernt, die Kunstharzbrücke bleibt jedoch noch eine Weile zur Stabilisierung.

    

Trotzdem Achtung: Der Sprung vom Arm eines Kindes ist die häufigste Ursache für Knochenbrüche beim Kaninchen!
 


Tumorentfernung bei einer Deutschen Riesenschecke reinerbig-homozygot schwarz

Kaninchen regelmäßig abtasten und ihren Körperzustand kontrollieren ist für uns Züchter enorm wichtig. Vor allem, da die Tiere Schmerzen und Wunden bewußt verbergen (um wegen ihrer Krankheit nicht aus dem Rudel "ausgestoßen" zu werden), und auch die Fellstruktur Wunden oder Veränderungen - zumindest im Anfangsstadium, in dem noch Hilfe möglich ist - nicht leicht sichtbar werden läßt.

 Bei diesem Tier war im Fell auf der linken Keule eine walnußgroße Verhärtung oder Beule ertastbar. Abszeß oder Grützbeutel fielen als Grund aus, da aus der Erhebung Fellhaare wuchsen. Es wurde vom Tierarzt ein Hauttumor festgestellt, der zum Glück lose in der Haut lag, nicht am Untergewebe festgewachsen war. Dieser Tumor mußte unter Narkose operativ entfernt werden, dadurch konnte auch hoffentlich ein Streuen im Tierkörper vermieden werden.

 

 

Nach 14 Tagen wurden die Nähte entfernt. Die Wunde wird nun noch Schorf abstoßen und verheilen, das Fell kann an der rasierten Stelle wieder drüberwachsen und dem Tier ist weitere Lebenszeit geschenkt.


Impfempfehlung der ständigen tierärztlichen Impfkomission (StIKo Vet)

Kaninchen so früh wie möglich mit einem monovalenten Vollantigenimpfstoff grundimmunisieren – das empfiehlt die Ständige Impfkommission der Veterinärmedizin und weicht damit von der bestehenden Impfleitlinie ab. Auch der Import neuer Impfstoffe aus EU-Nachbarländern sei zulässig.

(jh/FLI) – Hintergrund ist: Die neue RHDV-2 genannte Variante der „Chinaseuche“ dominiert aus diagnostischer Sicht inzwischen in Deutschland die Krankheitsausbrüche. 139 Fälle wurden 2015 am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) diagnostiziert – dem standen nur 19 klassische RHDV-Fälle gegenüber. Weil aber vor allem Proben von unklaren oder RHDV-2-Verdachtsfällen an das FLI versandt werden, sollte der Aufbau eines ausreichenden Immunschutzes gegen die klassischen Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD)-Stämme nicht außer Acht gelassen werden.

 
Die ausfühliche Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) finden Sie hier. (PDF-Download)


Kopfabszess einer Junghäsin

Es muß nicht immer CE sein oder eine andere vererbbare Nervenkrankheit, wenn ein Kaninchen plötzlich den Kopf schiefhält.

 

Diese Häsin bekam im Alter von 15 Monaten einen walnußgroßen Abszess unterhalb des Auges. Das Verhalten war bislang nicht auffällig, gefressen wurde gierig wie immer, nur wurde der Kopf unter dem Auge dick und ab dem nächsten Tag fing das Tier an, den Kopf schief zuhalten. Die Schwellung drückte auch massiv auf das Auge.

Ein Abszess ist beim Kaninchen immer das Zeichen einer Infektion. Am Kopf meist ausgelöst durch Zahn- oder Augenprobleme, auch durch Fremdkörper z.B. im Tränenkanal. Ist die Entzündung erstmal durch Schwellung sichtbar, muß sofort gehandelt werden.

Hier hatte sich Eiter gebildet. Kanincheneiter ist sehr dickflüssig, vergleichbar zäh wie Vanillepudding. Kleinere Abszesse können sich auch zurückbilden, oder durch die dünne Kaninchenhaut durchbrechen und sich entleeren. Meist aber fließt die zähe Flüssigkeit nicht ab. Außerdem ist Kanincheneiter sehr aggressiv und zersetzt mit der Zeit sogar die Knochen und tötet dann auf diese Weise. Hier half nur der Tierarzt mit einer Eröffnung (Schnitt) der Schwellung und Offenhalten derselben über sechs Wochen. Dabei wurde die Wunde alle zwei Tage ausgeschabt, bis sie sich von allein zu verschließen begann. Das Schmerzmittel und entzündungshemmende Antibiotika gespritzt werden mußten, ist klar. Hier ist der Knackpunkt, ob die empfindliche Verdauung des Kaninchens mitspielt, da Antibiotika nicht nur die zu behandelnde Entzündung, sondern auch die Bakterien im Kaninchendarm und damit die Verdauung selbst lahmlegen kann. Hier war Fingerspitzengefühl und ständige Beobachtung des Kaninchenkotes wichtig.

 
 
 
 

Nach der Abheilung war bei Abtasten des Kopfes dieser wieder völlig symmetrisch. Narben waren keine zurückgeblieben.

 
 

Hat sich doch gelohnt - oder ?



Beispiel eines Merkblattes über bisherige Haltungsbedingungen

Seit Anfang 2015 wird nun auch seitens des Zentralverbandes bei gewerbsmäßigen Tierverkäufen die Mitgabe eines "Merkblattes über die bisherigen Haltungsbedingungen" gefordert. Uns Kaninchenzüchtern, die wir Tiere im Rahmen unseres Hobbys abgeben, wird geraten dasselbe freiwillig auch zu tun - ganz einfach unter dem Blickwinkel der Schwierigkeit der Kaninchenfütterung. Kommt eines unserer Tiere durch Abgabe oder Verkauf in eine neue Stallumgebung und wird dann noch vollkommen anders, als bisher gewohnt, gefüttert, sind Verluste fast vorprogrammiert. Jeder erfahrene Züchter weiß um die Problematik der Futterumstellung - sei es im Frühjahr von Winterfutter auf Grünfutter, oder die Umstellung der Fütterung bei Jungtieren. So gesehen ist die Mitgabe eines solchen Merkblattes zusammen mit den Kopien über aktuelle Impfungen und dem Nachweis der Abstammung, sowie die Notiz über die Adresse des Käufers sowieso, eine gute Idee. Nachfolgend ein Beispiel, wie so ein Beiblatt aussehen könnte - dahingehend gibt es keine Formulare. Der kreativen Entfaltung sind also keine Grenzen gesetzt ...

 


Nathalie – meine tapfere Hochwasserhäsin


Nichts Schlimmeres gibt es für einen Züchter, wenn er morgens ein Mitglied seines „Rudels“, das abends zuvor noch freudig und gierig sich aufs Futter stürzte, leblos im Stall auffindet.
Gerade noch hatte ich mit einem meiner Vereinskollegen, der mich besuchte, über einen im Hof freilaufenden Jungrammlers gelacht, der in den Stall der Häsinnen gelangen wollte – als die gute Laune schlagartig verflog. Im Stall A im mittlersten Fach lag Nathalie – leblos und tot. Am Abend zuvor noch lebensfroh, gierig auf die Abendmahlzeit, knurrig wie immer und dann doch ein wenig verschmust beim Fressen, lag sie lang ausgestreckt – ein wenig Heu noch zwischen ihren Zähnen, das sie wohl bis zum plötzlichen Schluß geknabbert hatte.

 

Viele meiner Tiere haben eine Geschichte. Und viele bleiben unerwähnt. Aber diese hier, denke ich, lohnt sich erzählt zu werden. Also schreibe ich sie auf – so wie sie sich zugetragen hat:

Im Herbst 2012 bekam ich von meinem damaligen Vereinschef, einem altgedienten Riesenscheckenzüchter, seine „Reservehäsin“ überlassen – zugekauft vom Verein S804 mit einer 6120 im linken Ohr. Ich war noch sehr „grün“ und hatte mir ausgerechnet die Königsdisziplin „Riesenschecken“ ausgesucht und war oft und hart „auf die Schnauze gefallen“. Günter Ludwig brauchte Platz im Stall, und die große Häsin – auch noch ´ne Schwarze, die man (damals) nicht ausstellen konnte, war im Weg. Er hätte sie sonst geschlachtet, aber so brauchte er das ungeliebte „Tun“ nicht verwirklichen. Ich fand die große Häsin mit ihren ausgestreckten fast 90 Zentimetern Körperlänge einfach wunderschön – auch ohne Scheckenzeichnung. „Schön ist die nicht – die hat nur ´nen breiten Arsch!“, tönte der Chef. Nebenbei erfuhr ich, daß die Große imJahr zuvor als Amme schon außergewöhnliche  Dienste geleistet hätte. Gerhard Mann hatte gerade mit Meißner Widdern angefangen und einen vielversprechenden Wurf im Stall, als plötzlich eines Morgens die Mutterhäsin tot im Stall lag – die Jungen waren eben erst drei Wochen alt. Bis zur sechsten Woche sind die Kleinen aber bedingungslos von ihrer Mutter und deren Milch abhängig – ohne sie sterben alle. Nun war guter Rat teuer. In seiner Not wandte sich Gerhard an Günter.  Der hatte am Tag zuvor die große Schwarze von ihren Jungen, die gerade sechs Wochen alt waren, getrennt und abgesetzt. Aber Milch hatte die „Alte“ ja noch – also schoben sie die jungen Meißner der Riesenschecke unter. Der Versuch gelang prächtig – wie ihre eigenen hat sie die fremden „Hängeohren“ versorgt. Bleibt nur noch zu erwähnen, das mit diesen Meißner Widdern Gerhard bei der Eurpoaschau in Leipzig Eurpoameister wurde …

 

Stolz brachte ich „meine“ Häsin heim und nannte sie Nathalie: sie knurrte ständig wie eine russische "Djeschurnaja" ... Nach einigem hin und her fand diese an meinem Rammler auch Gefallen. Matz Klitschko war zwar von der Zeichnung her für eine Riesenschecke schön, groß und kräftig, hatte aber auch am Ohrenstamm einige Fehler. Seinen Namen gab ich ihm, nach dem er mich bei einem Besuch des Lungwitzer Kindergartens kurz vor Ostern fast K.O. getreten hatte – aber das ist eine andere Geschichte …

Pünktlich am 27. Mai 2013 stellte sich der ersehnte Nachwuchs ein. Nathalie hatte ein sehr schönes Nest gebaut und ließ mich in keinster Weise in das selbige schauen oder gar greifen! Ich hatte sie im Stall in einem der untersten Fächer untergebracht, für das ich mich am liebsten geohrfeigt hätte, als fünf Tage später das Jahrhunderthochwasser - wiedereinmal - über uns hereinbrach.

 
 
 

Es regnete fast ohne Unterbrechung. Meine Frau und ich sicherten unser Grundstück am Fluß so gut es ging, schliefen tagelang fast nicht, und die Nachbarn halfen uns (und wir uns gegenseitig) so gut es ging. Schließlich war das Dorf abgeschnitten und man erzählte sich die wildesten Dinge: über brechende Dämme, geflutete Glauchauer Stadtteile und Stromausfall und ein Umspannwerk, das auszufallen drohte. Es wäre das Ende für die Pumpen, Heizungen und Lampen gewesen. Unsere tapferen Feuerwehrleute haben an diesen Tagen Wunder vollbracht. Zwischen all dem Lärm und Sirenengeheul – die Feuerwehr verwendete Signale, die ich aus meiner Armeezeit noch als Luft- bzw. Atomalarm kannte und die einem die Nackenhaare aufstellten - retteten wir unsere Tiere in unseren höher gelegenen Garten: in die Garage – die Hühner, die Wachteln und die Kaninchen.

Das Wasser schwappte schon in den Stall, als ich mir das Fach von Nathalie vornahm. Ich lockte sie ins Nachbarabteil, verschloß die Öffnung mit einer Topfstürze und wollte die Jungen, von  denen ich noch nicht einmal wußte, wie viele es waren, aus dem Nest nehmen. Ein fataler Fehler: Häsinnen mit Jungen im Nest kämpfen kompromißlos! Im nächsten Moment flog der Deckel krachend davon an meiner Schulter vorbei ins Wasser hinter mir, als sich die Häsin mit voller Wucht dagegen warf. Sofort hatte ich ihre Zähne in meiner Hand. Ich schrie vor Schmerz, aber Sie ließ nicht los, biß immer tiefer und zerrte herum – voller Panik um ihre Jungen. Endlich lockerte  sie den Biß, und ich kam frei. Ich wickelte ein Taschentuch und Isolierband aus meiner Hosentasche um die Hand und änderte die Taktik. Ein schneller Griff - und am Genick zerrte ich die Alte aus dem Stall und hielt sie fest, während meine Frau das Nest mitsamt den Jungen in eine große blaue Plastik-Lagerbox legte. Nathalie versuchte mir indessen knurrend und fauchend mit den Vorderpfoten den Hals aufzukratzen und mir ins Gesicht zu beißen. Die messerscharfen Krallen der Hinterpfoten wetzten ständig an meiner Hose zwischen meinen Beinen – zum Glück waren es gute Jeans mit festem Stoff, sonst ….

Endlich schaffte ich es, die Häsin in eine Kiste zu verfrachten. Diese und die blaue Schütte mit den Jungen auf die Schubkarre und ab zur Garage hinterm Garten! Die Autos hatten wir schon rausgefahren, und ich hatte (neu und unvorbereitet wie ich war) zum Glück ein paar kleine Käfige parat, in denen ein Großteil meiner Kaninchen schon evakuiert und untergebracht war. Aber nun kamen noch die Jungen dazu. Wohin? Ein kräftiger Tritt gegen eine alte leere Kommode beförderte diese auf ihre Rückseite. Mit Stroh ausgefüllt, das „Nest“ hineingesetzt, wollte ich die Häsin schnappen und hinterher befördern. Ich hätte mir keine Sorgen machen brauchen – ausreißen wollte sie nicht. Mit einem Satz sprang Nathalie aus der Kiste in die Kommode. Schnell machte ich die Türen,  die jetzt Deckel waren, zu und klemmte noch eine Holzlatte dazwischen. Geschafft – schnell holten wir noch die restlichen Tiere – eine Stunde später war der Kaninchenstall am Fluß hinter dem Haus bis über die Decke des untersten Faches bereits überspült, und lebensgefährliche 80 Kubikmeter pro Sekunde an Wasser schossen durch unsere Stallanlage und den Hof.

 

 
 

Der Kartoffelsack als Gegengewicht - bei ´ner Häsin mit 7,5kg sicher angebracht.

Drei Tage dauerte das Hochwasser an und eine Woche haben wir aufgeräumt. Nathalie hat sich aber auch in dieser Zeit in der ungewohnten Umgebung ständig um ihre Jungen gekümmert. Wenn ich auch nur durch einen Spalt in die Kommode linste, knurrte sie mich sofort an und saß auf dem Nest drauf. Auch beim Füttern war sie nur eins: angriffslustig. Nur Schnellsein verhinderte blutige Hände.

 

 

Als das Grundstück endlich wieder aufgeräumt, alles repariert und auch der Schlamm verschwunden war, konnten die Tiere wieder in ihre Ställe einziehen. Sicherheitshalber setzte ich die Jungen mit ihrer Mutter jetzt in eine obere Etage – es sollte zwar kein Wasser mehr kommen, aber wir "Flußleute" sind nun mal ängstlich – besonders wenn es regnet. Niemandem wünsche ich solche Tage, die einem zeigen, wer wirklich bestimmt und was zählt, und die einem an die Grenze des Erträglichen treiben – wohl dem, der´s nie gekannt hat !!!

Das Nest ließ ich in der blauen Plastikschütte – die Jungen hatten das Ding als ihr Nest richtig lieb gewonnen. Auch als sie größer wurden, lagen sie am liebsten in der blauen Kiste.

   
 
 
 
 

Der Sommer wurde heiß, den Kaninchen im Stall auch – doch meine große Schwarze brachte alle sieben Jungen durch. Auch wenn sie fehlerhafte Zeichnungen hatten, und ich sie nicht ausstellen konnte, waren sie mir doch nicht einerlei, als ich sie ausgewachsen an verschiedene Züchter abgab. „Jahrhunderthochwasserhasen“ sind eben doch nicht alltäglich. Nathalie , so hatte ich beschlossen, sollte für immer bei uns bleiben – in dem von manchen als „Gnadenhof“ belächelten Stall. Anfassen ließ sie sich aber fast nie. Auch hat sie sich nie wieder  decken lassen. Alle noch so schönen Riesenscheckenrammler wurden  nicht akzeptiert – sie wurden weggebissen, verprügelt oder gar „niedergeritten“. Mancher war hinterher total durch den Wind. Auch beim Füttern waren schnell die Krallen und Zähne da – und erst in letzter Zeit merkte sie, das mal durchgekrault werden was ganz schönes ist. Dann ließ man sich hinterher sogar vorsichtig die Augen sauber machen … Die Haferflockentüte erkannte sie aber schon auf zehn Meter. Wenn ich davon etwas in ihren Napf streuen wollte, wurde die Tüte meist mit Zähnen und Krallen der Länge lang aufgeschlitzt, damit soviel wie möglich in ihrer Box blieb. Sich dann noch in der Sonne aalen ... ein wunderschönes Bild - gut, daß der Stall groß genug für diese Länge war.

 

Nun hat sich nach 4 Jahren und 4 Monaten der Kreis für sie geschlossen – auch wenn ich nicht weiß, warum und wieso so plötzlich – krank war sie nie. Im Garten, im „Ehrenhain“ unter den Fichten neben den Sanddornsträuchern habe ich sie heute begraben.

  

NL, 25. Oktober 2015


... der Rest ist noch Baustelle, weil die Zeit ein Rennhund ist, der einem usw. usw. (как вы ещё знаете)  ...